Fett in der Rinderfütterung

Sano Beraterin im Stall am Futtertisch.
Fett stellt einen verhältnismäßig kleinen Teil der Ration von Wiederkäuern dar. Dennoch ist es als Energieträger, als auch zur Bildung von Hormonen, Zellmembranen und natürlich Milchfett von großer Bedeutung. Dabei ist neben der Menge vor allem die Art des Fetts, also die Fettsäuren von Bedeutung. Durch das neue Futtermittelanalysensystem nach CNCPS ist es erstmals möglich dieses Fettsäuremuster genau zu ermitteln. Umso wichtiger ist es zu verstehen, was sich dahinter verbirgt!
 

Was ist Fett?


Fette bestehen aus Glycerin, einem Zuckeralkohol, an den drei Fettsäuren gebunden sind. Diese Fettsäuren werden von der Kuh absorbiert und genutzt. Sie sind eine Kette von unterschiedlich vielen Kohlenstoff-Atomen. Gesättigte Fettsäuren (z.B. Palmitinsäure) haben nur Einfachbindungen, ungesättigte Fettsäuren (z.B. Linolsäure) enthalten Doppelbindungen.
 
 
Palmitinsäure
 
 
 
Linolsäure
 
 
Ungesättigte Fettsäuren haben einen niedrigeren Schmelzpunkt, sind dadurch flüssiger und werden leichter verdaut. Essentielle Fettsäuren sind alle Fettsäuren mit mehr als 16 Kohlenstoff-Atomen. Diese kann die Kuh nicht selber herstellen und müssen daher mit dem Futter aufgenommen werden. In der Praxis sind das die Linol- und die Linolensäure.
 
 
 

Fett als Energieträger


Fette liefern mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate. Daher ist es besonders zu Beginn der Laktation sinnvoll, Futterfette als Energieträger zu nutzen. In dieser Phase befindet sich die Kuh in einer negativen Energiebilanz. Eine höhere Energiedichte in der Ration kann dem gezielt entgegenwirken. Die bisherige Futtermitteluntersuchung nach der erweiterten Weender-Analyse bestimmt den Rohfettgehalt, also die Gesamtsumme an Fetten. Die bisher übliche Rationsberechnung nach deutschem System sieht dabei ein Rohfettgehalt in der Ration von fünf Prozent als oberen Grenzwert. Höhere Gehalte beeinträchtigen die Aktivität der faserverdauenden Mikroorganismen. Das führt zu einer schlechteren Faserverdaulichkeit, wodurch Passagerate und Futteraufnahme sinken. Dies ist unbedingt zu vermeiden, denn eine hohe Futteraufnahme ist die Basis für Tiergesundheit, Fruchtbarkeit und Leistung.
 
Die neue Futtermittelanalyse nach CNCPS-Modell gibt standardmäßig neben dem Rohfettgehalt auch die Gehalte der einzelnen Fettsäuren an. Die Beeinträchtigung der Faserverdaulichkeit hängt wesentlich vom diesem Fettsäuremuster der Ration ab. Bei einer optimalen Zusammensetzung sind auch Fettanteile über fünf Prozent in der Ration unbedenklich. Auch der Einsatz von geschütztem Fett umgeht die negativen Effekte auf die Mikroorganismen im Pansen und liefert wertvolle Energie am Dünndarm.
 
Besonders bei hohen Leistungen und zu Beginn der Laktation ist pansenstabiles Fett daher eine effektive Energiequelle.
 

Auf die Fettsäuren kommt es an


Die Milchdrüse bildet etwa die Hälfte des Milchfetts selbst. Die andere Hälfte wird in Form von Fettsäuren über das Blut geliefert und stammt aus dem Futter oder Fettgewebe. Das Muster der Fettsäuren im Futter hat daher starken Einfluss auf die Milchinhaltsstoffe.

Das Milchfett besteht zum größten Teil aus gesättigten Fettsäuren. Ist der Milchfettgehalt zu niedrig können hohe Gehalte an Linolsäure im Futter die Ursache sein. Die zweifach ungesättigte Fettsäure kommt vor allem in frischem Gras vor. Unter normalen Bedingungen wird sie im Pansen zu einer gesättigten Fettsäure, der Stearinsäure, umgebaut (Hydrierung). Zu viel Linolsäure im Futter übersteigt die Umbaukapazitäten und sie wird über einen alternativen Stoffwechselweg zur konjugierten Linolsäure (engl.: conjugated linoleic acid, CLA) umgewandelt. CLAs hemmen die Bildung von Milchfett im Euter und folglich sinkt der Milchfettgehalt.
 
Bei der dynamischen Rationsberechnung nach CNCPS-Modell wird das Fettsäuremuster berücksichtig und somit ein Absinken des Milchfettgehaltes verhindert. Darüber hinaus kann der gezielte Einsatz von Palmitinsäure, einer gesättigten C16-Fettsäure, den Milchfettgehalt und die Energieversorgung verbessern. Sie nimmt den größten Anteil des Milchfetts ein wodurch eine Zufuhr über das Futter hohe Milchfettgehalte sichert.
 
 
Die Energieversorgung der hochleistenden Milchkuh kann einerseits durch eine erhöhte Energiekonzentration im Futter, andererseits durch eine Senkung der Energieabgabe mit der Milch verbessert werden. Die Senkung des Milchfettgehalts kann also durch gezieltes Zufüttern von CLAs genutzt werden. Die Kuh muss für die gleiche Leistung weniger Energie aufbringen, wenn der Milchfettgehalt niedriger ist Damit wird der Stoffwechsel zu Beginn der Laktation deutlich entlastet.

Die Futtermittelanalyse und die dynamische Rationsberechnung nach CNCPS-Modell ermöglichen es uns erstmalig, das Fettsäuremuster in der Ration aktiv zu beeinflussen. Sie liefern somit ein wertvolles Instrument zur Sicherung einer bedarfsgerechten Energieversorgung, hohen Fruchtbarkeit und bestmöglicher Tiergesundheit.

Informieren Sie sich über Fett bei Ihrem Fachberater oder unter beratung@sano.de

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