Faser im Futter verstehen

Wichtige Komponente im Grundfutter für Rinder

Man sieht vier Hände, die jeweils Tierfutter halten.
Faser ist eine wichtige Komponente in der Rinderfütterung, denn sie macht mindestens ein Drittel einer üblichen Mischration aus. Zusätzlich nimmt sie Einfluss auf Futteraufnahme, Pansengesundheit und Energieversorgung. Doch, was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Was bedeuten Buchstabenkombinationen wie NDF, ADF, ADL und was ist eigentlich Struktur?

 

Was ist Faser überhaupt?

 
Der Begriff „Faser“ bezieht sich auf die Pflanzenfaser und bezeichnet das Grundgerüst der Pflanzenzelle. Es setzt sich aus Hemicellulose, Cellulose und Lignin zusammen. Man spricht daher auch oft von „Gerüstsubstanzen“. Chemisch sind es Kohlenhydrate, die zu langen Ketten verbunden sind. Sie kann vom Tier nicht durch körpereigene Enzyme verdaut werden. Es ist auf die Hilfe von Mikroorganismen angewiesen, die diese Aufgabe übernehmen. Bei der Kuh geschieht dies im Pansen. Wenn wir die Kuh damit füttern, füttern wir also in erster Linie die Pansenbakterien.
 
 

Lignin


Lignin ist der stabilste Bestandteil der Zellwand und extrem widerstandsfähig. Nur Pilze sind in der Lage es als Nahrungsquelle zu nutzen. Je älter eine Pflanze wird, desto mehr Lignin bilden die Zellen. Das ist die Lignifizierung, die Verholzung der Pflanze. Der Ligninanteil im Futter wird durch den Kennwert ADL dargestellt.


Zellulose


Zellulose bezeichnet die äußere Schicht der Zellwand. Sie ist die Schutzbarriere nach außen und besteht aus tausenden Glucosemolekülen. Diese sind in einer Faltblattstruktur miteinander verbunden. Das macht sie stabil, verhindert aber auch die Verdauung durch Enzyme. Der Kennwert ADF bezeichnet die Menge an Lignin und Cellulose im Futter. ADF minus ADL ergibt so den Wert an Zellulose.


Hemizellulose


Die Hemizellulose bildet die innere Schicht der Zellwand und gleichzeitig den Hauptbestandteil der Gerüstsubstanzen. Im Unterschied zur Zellulose ist sie aus verschiedenen Einfachzuckern zusammengesetzt. Das macht sie weniger stabil und für Mikroben besser verfügbar. Gemeinsam mit Lignin und Zellulose ist die Hemizellulose im Kennwert NDF dargestellt.

Sowohl Zellulose als auch Hemizellulose sind Nahrungsquellen für Bakterien, Hefen und Pilze. Die Mikroorganismen im Pansen können diese Stoffe zersetzen. Dadurch bekommt die Kuh wertvolle Energie.
 
 
 
Im CNCPS (Cornell Net Carbohydrate and Protein System) werden alle Kohlenhydrate des Futters abhängig von ihrer Verdaulichkeit in die drei Fraktionen A, B, und C unterteilt. Die A-Fraktion sind leicht verdauliche Kohlenhydrate wie z. B. Zucker. Hemicellulose und Cellulose sind als verdauliche Gerüstsubstanzen Teil der B-Fraktion. Lignin ist für die Kuh unverdaulich und bildet die C-Fraktion.
 
 
 

Faser ist nicht gleich Struktur


Struktur beschreibt die physikalische Eigenschaft des Futters. Sie hängt maßgeblich von der Partikellänge ab und beeinflusst Futteraufnahme, Wiederkauaktivität, Speichelbildung sowie Pansen-pH. Der Strukturwert wird z.B. mit der Schüttelbox ermittelt. Alle Partikel, die oberhalb des vier Millimeter-Siebes verbleiben bezeichnet man als physikalisch effektiv. Ihr Anteil an der Gesamtprobe ergibt den pe-Faktor. Die NDF mit diesem pe-Faktor multipliziert, stellt die physikalisch effektive NDF (peNDF) dar.

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